In diesen Fäßern lagert der Vintage Portwein der Quinta de la Rosa in Pinhão im oberen Dourotal

Portwein-Portugal
Vintage Port: Die exklusivste Portweinsorte

Es gibt viele exklusive Portweinsorten: Ruby Ports Reserva, Jahrgangs Tawny Ports oder Tawny Colheita Ports. Der König unter den Portweinen ist aber ohne Zweifel der Vintage Port. Für eine Flasche zahlt man schnell über 50 Euro. In Deutschland findet man Vintage Portweine nur in sehr gut sortierten Fachgeschäften und auf keinen Fall im Supermarktregal. Insgesamt geht der weitaus größte Teil der Produktion von Vintage Ports von Portugal aus direkt nach England und in die USA. Schade eigentlich!

Herstellung von Vintage Port

Vintage Port darf nur aus den Trauben eines Jahrgangs hergestellt werden. Dazu dürfen Portweine nur nach überdurchschnittlich guten Weinjahren mit dem Prädikat Vintage Port abgefüllt werden. Bei einem Vintage Port muss als alles perfekt sein. Nur die besten Trauben eines Top-Weinjahrgangs werden für Vintage Ports verwendet. Das Jahr 2011 war das bisher letzte Weinjahr im Dourotal, das Vintage Ports hervorgebracht hat.

Das Instituto dos Vinhos do Douro e do Porto bestimmt, wann ein Weinjahr so ausgezeichnet wird, dass Vintage Ports hergestellt werden dürfen. Da die Portwein-Quintas für Vintage Portweine deutlich höhere Preise am Markt erzielen, sind die Hersteller natürlich darum bemüht, möglichst oft ihre Portweine mit dem Prädikat Vintage versehen zu dürfen.

Produziert werden Vintage Portweine wie Ruby Ports, nur eben aus den exklusivsten Rohstoffen und unter höchster handwerklicher Sorgfalt. Vintage Ports entwickeln sich wegen ihrer hohen Qualität bis zu 50 Jahre und länger in der Flasche weiter. Der bei der Herstellung zugesetzte Alkohol verleiht den Portweinen zudem ein deutlich höherers Lagerpotential als gewöhnlichen Weinen. Dabei entwickelt sich eine Vintage Portwein in recht regelmäßigen Abständen besondere geschmackliche und visuelle Charakteristika.

Geschmack, Aussehen und Lagerung von Vintage Portwein

In den ersten fünf Jahren nach der Abfüllung erhält der Vintage Port sein ursprüngliches sattes Rubinrot. Es dominieren überschwängliche Aromen von reifen, roten, wilden Früchten und dunkler Schokolade. Die intensive Aromenfülle wird durch kräftige Tanninen ausgeglichen. Junger Vintage Port ist ein hervoragender Begleiter zu dunklen Schokoladendeserts oder Schokoladentorte.

Nach zehnjähriger Flaschenlagerung entwickelt ein Vintage Portwein ein granatfarbenes Rot. Es kommen mehr und mehr Geschmäcker von exotischen Gewürzen, milden Tabakblättern und roter Beerenmarmelade zum Vorschein. Je länger ein Vintage Portwein gelagert wird, umso komplexere Aromastrukturen entwickeln sich in ihm. Beim Lagern verliert ein Vintage Port mit der Zeit sein intensives Rot und hellt sich bis ins Goldene hin auf. Vintage Ports können wie gesagt deutlich länger als 50 Jahre gelagert werden und sie entwickeln sich dabei stitig auch in ihrem Marktwert weiter. Es sind Weine, die so zu Erbstücken werden können. Ehrlich gesagt sollte ein Vintage Port nicht jünger als zehn Jahre sein, bevor man die Flasche öffnet.

Eine Besonderheit unter den Vintage Portweinen ist der Single Quinta Vintage Port. Der edle Tropfen unterscheidet sich von den anderen Vintage Ports dadurch, dass die zur Herstellung verwendeten Trauben alle von einer Quinta, also einem Weingut aus dem Dourotal stammen. Single Quinta Vintage Ports besitzen daher den besonderen Charakter, den die Quinta unterstreichen will.

Diese Portwein-Jahrgänge haben es zum Vintage geschafft

Die Dokumentation der Vintage-Jahrgänge reicht bis weit in die Vergangenheit zurück. Der erste Portwein wurde 1756 mit dem Prädikat Vintage Portwein ausgezeichnet. Der Vintage Port von 1756 war von einer derartig hohen Qualität, dass davon noch im Jahr 1896 Flaschen gehandelt wurden und auch noch trinkbar waren. Die hochwertigsten Vintage Ports können also weit über 100 Jahre gelagert werden und entwickeln sich, die richtige Lagerung natürlich vorausgestzt, dabei stetig weiter.

Diese lange Lagerfähigkeit kann lediglich durch das Hinzufügen von hochprozentigem Alkohol erreicht werden. Bei herkömmlichen Weinen ist so etwas nahezu ausgeschlossen. Es muss ein wahnsinniges Erlebnis sein, einen Portwein zu trinken der älter als 100 Jahre ist. Nur sehr wenigen Menschen auf dieser Welt ist so ein Moment vergönnt.

Vintage Port Portweinkeller

Noch heute werden die meisten Portweine traditionell in Holzfäßern ausgebaut. ©Thomas Veit

Seit dem ersten Vintage Port von 1756 gab es 92 weitere Portwein Vintage Jahrgänge. 2011 war bisher der letzte Vintage Jahrgang bei den Portweinen. Im Durchschnitt gibt es also in den letzten 258 Jahren knapp jedes dritte Jahr Vintage Portweine.

Ein gutes Weinjahr, das Vintage Ports hervorbringt, ist in der Regel überdurchschnittlich warm und trocken. Die Extreme dürfen aber auch nicht zu groß ausfallen. Bekommt ein Rebstock etwa viel zu wenig Feuchtigkeit bei gleichzeitig hohen Temperaturen, bilden sich dicke Traubenschalen, die dann mehr Bitterstoffe in den Wein abgeben. Zudem bilden sich weniger komplexe Aromen. Durch moderne Bewässerung kann man den Feuchtigkeitshaushalt der Rebstöcke optimal regeln. In regenreichen Jahren sind die Rebstöcke anfälliger gegen Krankheiten. Zudem entwickeln die Trauben in regenreichen Jahren weniger Zucker, der dann in Alkohol umgewandelt werden kann.

Besonders wichtig für eine Weinjahrgang, der Vintage Ports hervorbringt ist, dass es während der Ernte nicht regnet. Regen während der Ernte führt zu einer Verwässerung des Traubenmosts.

Fazit: Ideale Weinjahre für Vintage Portweine haben überdurchschnittliche Wärmephasen, am besten in den Monaten Juli, August und September, und gleichzeitig moderate Niederschläge. Regenfälle im Frühjahr und bis zur Blüte der Rebstöcke schaden der Traubenqualität nicht. Vor und während der Weinernte (portugiesisch „vindima“) darf es nicht regnen.

Die drei letzten Portwein Vintage Jahrgänge

In den Jahren von 2003 bis 2013 gab es drei Vintage-Port-Jahrgänge. Es waren die Jahrgänge 2011, 2007 und 2003, die Vintage Ports hervorgebracht haben.

Vintage Portwein 2011:

Auf einen regenreichen Winter folgte ein trockener und heißer Frühling. Der Sommer im Douro-Tal war trockener und kühler als im langjährigen Mittel. Ende August und Anfang September folgte eine sehr heiße Phase, die sich sehr gut auf die Reifung der Trauben auswirkte. Während der Ernte Ende September, Anfang Oktober blieb es ebenfalls warm und trocken.

Vintage Portweine des Jahrgangs 2011 haben eine tiefrote Färbung und intensive Aromen. Sie besitzen schon heute gut strukturierte Tannine, wobei die 2011er Vintage Ports eine erfrischende Säure bewahrt haben. Man spricht dem Vintage-Jahrgang 2011 eine überdurchschnittliche Lagerfähigkeit zu.

Vintage Portwein 2007:

Die Wintermonate im Vintage Jahr 2007 waren regnerisch, besonders der November und der Februar. Auch die Niederschläge im Mai und Juni lagen über dem langjährigen Mittel für das obere Douro-Tal (Douro Superior). Zwischen Mai und August lagen die Temperaturen leicht unter dem Durchschnitt für diese Jahreszeit. Wegen dem feuchten Winter und dem feuchten Mai war der Krankheitsbefall der Rebstöcke im Frühling leicht erhöht. Die hohen Temperaturen im August und September verbunden mit der Trockenheit brachten dann eine sehr gute Traubenqualität hervor.

Die Vintage Ports 2007 sind insgesamt sehr elegant und besitzen gut entwickelte und fein strukturierte Tanninen. Dem Vintage Port 2007 wird eine sehr hohe Qualität bescheinigt.

Vintage Portwein 2003:

Der Winter im Vintage Jahr 2003 war normal kalt und es regnete überdurchschnittlich viel. Es folgte ein trockenes Frühjahr. Ende Juli, Anfang August gab es eine Hitzewelle mit Tagestemperaturen von über 45 Grad Celsius. Auch während der Ernte wurden sehr hohe Temperaturen gemessen.

Die Vintage Ports 2003 sind körperreich und es wird ihnen eine hohe Lagerfähigkeit attestiert.

Die offiziellen Portwein Vintage Jahrgänge von 2011 bis 1756 absteigend:

Hier findet ihr eine komplette Auflistung aller bis 2011 ausgewiesenen Portwein Vintage Jahrgänge.

2011, 2007, 2003, 2000, 1997, 1994, 1992, 1991, 1989, 1987, 1985, 1983, 1982, 1980, 1978, 1977, 1975, 1970, 1967, 1966, 1963, 1960, 1958, 1955, 1950, 1948, 1947, 1945, 1942, 1935, 1934, 1931, 1927, 1924, 1922, 1920, 1917, 1912, 1911, 1908, 1904, 1900, 1897, 1896, 1894, 1892, 1890, 1887, 1884, 1881, 1878, 1875, 1873, 1872, 1870, 1868, 1865, 1863, 1861, 1860, 1858, 1854, 1853, 1851, 1850, 1847, 1844, 1842, 1840, 1834, 1830, 1827, 1822, 1821, 1820, 1815, 1812, 1811, 1810, 1806, 1802, 1798, 1797, 1796, 1790, 1786, 1784, 1781, 1780, 1779, 1775, 1765, 1756.

Beim IDVP findet ihr zu allen aufgeführten Vintage-Jahrgängen eine kurze Beschreibung. Die Informationen gibt es auf Portugiesisch und Englisch.

Portwein-Tipps:

In einem sehr guten Jahr lohnt es sich auch einen gewöhnlichen Ruby Port zu probieren. Man hat sehr gute Chancen einen spitzen Ruby Port zu bekommen. Bei unterdurchschnittlichen Jahrgängen fährt man mit einem Tawny häufig deutlich besser.

Vintage Ports sind eine nicht ganz billige Angelegenheit. Wer noch nie einen Vintage Portwein probiert hat, wird sich womöglich scheuen gleich mal 40 bis 50 Euro für ein Fläschchen hinzublättern. Recht preisgünstig kann man Vintage Ports bei Portweinführungen oder auch im Instituto dos Vinhos do Douro e do Porto verkosten. Oft muss man dafür zwar explizit nachfragen und einen Aufpreis zur normalen Führung bezahlen. Aber es lohnt sich.

Vintage Ports sind eine Offenbarung, wenn es um Komplexität und Aromenfülle geht. Vintage Ports sind wegen ihrer langen Lagerfähigkeit auch optimale Geschenke für Hochzeiten, Geburten oder runde Geburtstage, natürlich nur wenn der Jahrgang des Ports mit der Feierlichkeit übereinstimmt. Wird zum Beispiel ein Vintage Port zur Geburt verschenkt, kann der beschenkte Säugling zu seinem 50. Geburtstag ein wahres Weinwunder genießen.

Eine sehr guten allgemeinen Überblick zum Thema Portwein bekommt Ihr mit einem Klick auf diesen Artikel.

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