Geschichte des Portweins

Portwein-Portugal
Die Geschichte des Portweins

Die Geschichte des Portweins ist lang und voller Tradition. Bereits in der Prähistorie – das beweisen die mindestens 30.000 Jahre alten Gravuren im Côa Tal im nördlichen Douro-Tal – lebten hier Menschen. Seit Jahrtausenden wird flußaufwärts von Porto im Douro-Tal Weinbau betrieben. Insbesondere der Handel mit England förderte den Weinbau und die Portweinhäuser. Handelskriege zwischen England und Frankreich ließen die Wein- und Portweinexporte nach England mehr und mehr ansteigen. Sie haben die Geschichte des Portweins erheblich beeinflusst. Zunächst wurde dem Portweinen Brandy hinzugefügt, um ihn besser zu konservieren. Erst später lernte man weitere positive Effekte der sogenannten Fortifikation – so nennt man die Zugabe von Hochprozentigem zum Wein – zu schätzen.

Portugals berühmtester Minister, der Marques de Pombal reguliert ab 1757 den Portweinmarkt und den Weinanbau im Dourogebiet und schafft damit die Basis der heute weltweit angewendeten DOC-Regelwerke. Er hat damit die Geschichte des Portweins und die des gesamten Weinbaus in der Welt maßgeblich beeinflusst. DOC bedeutet Denominação de Origem Controlada und wird im Deutschen mit dem Begriff der „kontrollierten Herkunftsbezeichnung“ übersetzt. Seit etwa 1850 ist Portwein der Wein, den wir heute kennen.

Die Geschichte des Portweins und der Rio Douro

Weinbau hat in der Region Douro eine lange Tradition. Die Herstellung und der Handel mit Portwein ist untrennbar an den Douro mit seinen Terrassen (socalcos) verbunden. Wein und Portwein war über Jahrhunderte hinweg der wichtigste Exportartikel der Douro Region. Dabei war England stets der wichtigste Handelspartner. Schon im Vertrag von Windsor aus dem Jahr 1386 legten Portugal und England ihre intensiven Handelsbeziehungen vertraglich fest. Der Tratado de Windsor kommt einem Freihandelsabkommen gleich, der den Kaufleuten beider Seiten gleiche Rechte und große Freiheiten zugesteht. Als Folge wurde bereits im 15 Jahrhundert eine beträchtliche Menge an Weinen aus dem portugiesischen Douro nach England exportiert. Im Gegenzug importierte Portugal Waren aus England, darunter große Mengen an Stockfisch. Stockfisch wird in Portugal Bacalhau genannt und ist noch heute untrennbar mit der portugiesischen Küche verbunden. Man sagt, dass es in Portugal mehr als tausend Rezepte für Bacalhau gibt. Die Geschichte des Portweins hat damit tiefgehendere Einflüsse auf die portugiesische Lebensart als manch einer vermutet.

Die festen Handelsverbindungen zwischen Portugal und England wurden in mehreren Folgeabkommen immer weiter intensiviert. 1654 wurden in Portugal ansässige Kaufleute mit weiteren Handelsprivilegien ausgestattet. Mit Portwein hatten die gehandelten Weine noch nichts gemein. Auch war noch nicht Porto, sondern das etwa 100 Kilometer nördlich gelegene Viana do Castelo das nordportugiesische Zentrum des Weinhandels. Der damals nach England verschiffte Wein wurde „red Portugal“ oder „tinto de Portugal“ genannt und der verschiffte Wein stammte meist aus der Region Minho, die heute insbesondere durch den Vinho Verde bekannt ist.

Frankreich beeinflusst die Geschichte des Portweins maßgebend

Ein wichtiger Handelsboost für Portugals Portweinproduktion kam aus Frankreich. Im Jahre 1667 belegte Frankreich, unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV, aus England stammende Waren mit hohen Zöllen. England reagierte mit den selben Maßnahmen und belegte unter anderem die damals aus Frankreich importierten Weine mit hohen Abgaben. England suchte fortan andere Quellen für hochwertige Rotweine und wurde dabei in Portugal fündig. Doch die Engländer waren mit der Qualität der Weine aus dem Minho nicht glücklich. Die portugiesischen Händler suchten nach Alternativen und entdeckten den Douro als Quelle für hochwertige Rotweine.

Die in der Douroregion produzierten Weine wurden auf dem Douro bis zu seiner Mündung nach Porto verschifft, wo sie dann weiter nach England transportiert wurden. So verlagerte sich das Zentrum des portugiesischen Weinhandels von Viana do Castelo nach Porto. 1678 gibt es die ersten schriftlichen Belege, die den exportierten Wein als Vinho do Porto, also als Portwein bezeichneten. Der Name Portwein besagt nichts anders, als dass es sich um einen Wein aus der Stadt Porto handelt. In dieser Zeit begann man auch die ersten Versuche den exportierten Wein zu fortifizieren (engl. fortification, port. Fortificacão), d.h. mit der Zugabe von hochprozentigem Alkohol. Den Weinen wurden direkt vor ihrer Verschiffung kleinere Mengen an Brandy zugesetzt, um sie haltbarer zu machen und sie für die Überfahrt zu stabilisieren. Heute ist die Fortifikation ein zentrales Element der Portweinproduktion.

Marques de Pombal und die Geschichte des Portweins

Unter Marques de Pombal, dem bekannten Reformer Portugals, wurde der nächste Meilenstein in der Geschichte des Portweins eingeleitet. Als erstes Land der Welt wurde im Jahr 1757 für die Wein- und Portweinproduktion in der Douroregion ein umfangreiches Regelwerk erlassen. Zudem wurden Flächen. auf denen offiziell Trauben für die Produktion des Portweins angebaut werden durften, auf Karten erfasst. Ziel war es, die hohe Qualität des Portweins sicherzustellen. Heute wird Marques de Pombal deswegen als Visionär und Vorreiter für das moderne DOC-Konzept (Dominacão de Origem Controlada) betrachtet. DOC-Regelwerke, die in Frankreich AOC genannt werden, haben seitdem in allen Weinbauländern der Welt Einzug gehalten. Im Douro und der Portweinproduktion war man hier fast ein Jahrhundert früher dran als zum Beispiel in der Bordeaux-Region.

Was heute allgemein als Errungenschaft angesehen wird, war zu Zeiten Pombals sehr umstritten und unbeliebt. Heute finden es wirtschaftstreibende ähnlich verheerend, wenn der Staat in ihren Markt eingreift. Das DOC-Regelwerk wurde in Portugal über die nachfolgenden Jahrhunderte immer wieder verfeinert, verändert und angepasst. Noch heute zählen die DOC-Regeln in Portugal zu den strengsten Regelwerken in der globalen Weinproduktion. Nicht wenige Portweinproduzenten würden sich auch heute noch freiere Hand bei der Produktion der Portweine wünschen. Langfristig betrachtet haben Weinmarkt und Weinproduzenten von dem DOC-Regelwerk profitiert.

1755 gab des den ersten Vinatge Portwein

Der erste Vintage Portwein wurde 1775 auf den Markt gebracht und war damals eine absolute Weltneuheit, ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Portweins. Einen Wein aus Reben eines Spitzenjahrgangs herzustellen hatte man davor nicht gekannt. Heute kann man sich das nicht mehr vorstellen. Jahrgangsweine sind vielmehr die absolute Realität und kaum ein Weintrinker kann sich heute vorstellen, dass Weine aus verschiedenen Jahrgängen gemischt abgefüllt werden. Im Bordeaux brachte das Château Lafite seinen ersten Jahrgangswein erst 1787 auf den Markt.

Portwein wird zu dem Wein, den wir heute kennen

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde aus Portwein schließlich der Wein, den wir heute als Portwein kennen. Die Zugabe von hochprozentigem Alkohol in festgelegten Mengen wurde zur Regel bei nahezu allen Portweinherstellern. Die Portweinhäuser erkannten, dass die Fortifikation nicht nur positive Eigenschaften auf die Haltbarkeit und Lagerfähigkeit der Portweine hatte. Auch die Entwicklung des Portweins bei der Lagerung wird dadurch positiv beeinflusst. Ab 1850 wurde die Fortifikation mit Brandy allgemein eingesetzt. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts hatten alle Kaufleute auf diese Methode umgestellt. Die Geschichte des Portweins machte damit einen weiteren großen Schritt hin zu unserer Gegenwart.

Die Reblaus erreicht das Douro-Tal

Geschichte des Portweins

Weinberg im Oberen Dourotal

Wie für die restliche Weinwelt, war die Reblausplage auch für die Portweinquintas im Douro die größte Katastrophe, die jemals über den Weinbau in Europa hereingebrochen ist. Sie ist ein großer Einschnitt in der Geschichte des Portweins. Wahrscheinlichvon Botanikern und Weinbauern durch den Import von amerikanischen Rebstöcken ins französische Bordeaux eingeführt, breitete sich die Reblaus epidemieartig über alle Weinbaugebiete Europas aus. 1868 erreichte das mikroskopische Mitbringsel der amerikanischen Rebstöcke das Douro-Tal und ließ wie überall in Europa die Rebstöcke innerhalb von knapp zehn Jahren absterben, oder verkrüppeln. Viele Quintas mussten schließen.

Die Reblaus lebt im Boden und greift dort die Wurzeln der Weinstöcke an. Europäische Rebstöcke sind im Gegensatz zu ihren amerikanischen Verwandten, gegen den Schädling nicht immun. Amerikanische Rebstöcke resistent, aber auch ihre Wurzeln werden von der Reblaus attackiert. Die Lösung gegen die Reblausplage wird noch heute angewendet. Dabei werden die europäischen Rebsorten auf einen amerikanischen Rebstock aufgepfropft. Die Wurzeln der amerikanischen Pflanze haben somit Kontakt mit der Erde und der Reblaus. Die Trauben die der Weinstock hervorbringt, erhalten jedoch die Eigenschaften der europäischen Rebsorte.

Wer sich nun fragt, was denn so schlimm an den Trauben der amerikanischen Rebstöcke sei, sollte nur einmal einen dieser Weine verkosten. Dann versteht man sofort, dass niemand, der Weine aus europäischen Edelweinreben kennt, diese Weine trinken möchte. Ab den 1880er Jahren erholte sich der Weinbau im Douro wieder und die Märkte konnten peu-a-peu mit Portwein versorgt werden. Wer heute bei Portweinführung Berichte über Rebstöcke hört, die älter als 250 Jahre sind, sollte diese Information eher kritisch bewerten.

Der Transport des Portweins auf dem Douro mit dem Barco Rabelo

rabelo schiff auf dem douro

Der Rabelo ist der typische Schiffstyp auf dem Douro. Heute werden keine Portweinfässer mehr transportiert, sondern Touristen. © Thomas Veit

Transportiert wurden die Weine aus den Weinanbaugebieten im oberen Douro (Douro superior) bis nach Porto auf Schiffen. Man verwendete dafür den noch heute bekannten Schiffstyp Rabelo (Barco Rabelo). Erst mit dem Eisenbahnbau am entlang des Douros wurden die Rabelos Schritt für Schritt verdrängt. 1887 wurde die Eisenbahnstrecke bis Ponte da Régua und bis Pinhão im Douro Superior in Betrieb genommen. Danach wurde der Transport der Douroweine auf die sicherere Schiene verlagert. Dennoch waren 1930 noch mehr als 300 Rabelos im Einsatz. Der Transport der Douroweine mit dem Rabelo-Schiffen wurde noch bis 1964 fortgesetzt und endete wegen dem Staudammbau bei Carrapatelo im Jahr 1964. Der Rabelo hat die Geschichte des Portweins geprägt und ist noch heute ein beliebtes Schiffsmodell für kleinere Bootstouren auf dem Douro.

Vila Nova de Gaia – die Hauptstadt der Portweinhäuser

Portweinkeller Gaia

In den Portweinkellern von Gaia wird der Portwein noch heute in riesigen Fässern gelagert. © Thomas Veit

Im DOC-Regelwerk zur Portweinherstellung ist festgelegt worden, dass die Produktion und der Vertrieb der Portweine zwischen den Anbaugebieten und der Stadt Vila Nova de Gaia getrennt wurde. Vila Nova de Gaia liegt auf der gegenüberliegenden Seite von Porto am linken Flussufer des Douros. Noch heute haben die meisten und die größten Handelshäuser für Portwein ihren Sitz in der Stadt Vila Nova de Gaia. Wer Porto besucht und sich auch über Portwein informieren möchte, der wird an einem Besuch in einem der Portweinkeller nicht vorbei kommen.

Die geografische Trennung zwischen Weinanbau, Weinernte und Portweinausbau und -vertrieb wurde bis 1986 beibehalten. Seit 1986 darf Portwein nun auch direkt von den Quintas im Douro vertrieben werden. Vila Nova de Gaia bleibt aber bis heute untrennbar mit der Geschichte des Portweins verbunden.

Das Instituto dos Vinhos do Douro e Porto

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Den Selo de Garantia – das Garantiefsiegel – bekommen alle Douroweine und Portweine vom IDVP.

1933 wurde das Instituto dos Vinhos do Porto (IVDP) als staatliches Kontrollorgan für die Kontrolle der Portweinproduktion gegründet. Seitdem überwacht das IVDP mit Sitzen in Porto und in Peso da Régua die Quintas im Douro und die großen Portweinhandelshäuser in Gaia und die kleineren Produzenten im Douro-Tal. Das IVDP sieht sich als Bewahrer der Geschichte des Portweins. Kein Portwein darf ohne vorherige Prüfung durch das IVDP auf den Markt gebracht werden. Das IVDP vergibt für jede Flasche Portwein, egal welcher Qualität, das bekannte Qualitätssiegel (selo de garantia) der Douroweine und der Portweine. Jeder Wein bekommt eine eigene Seriennummer, mit der man auf der Seite des IVDP (http://www.ivdp.pt) die Echtheit des Portweins überprüfen kann.

Will ein Portweinhaus zum Beispiel eine neue Portweinsorte auf den Markt bringen, muss diese vom IVDP geprüft und genehmigt werden. In den 1930er Jahren geschah das zum Beispiel mit den trockenen Weißen Portweinen (Porto Branco Seco), 1970 mit den LBV Ports (Late Bottled Vintage Ports), oder 1973 mit den Jahresklassifikationen bei den Tawny Portweinen (10 anos, 20 anos, 30 anos und 40 anos).

Auch die Aufhebung der Trennung von Weinanbau im Douro vom Portweinvertrieb in Gaia im Jahre 1986 lief über das IVDP. Die Aufhebung dieser Trennung war sicher der letzte große Meilenstein in der Jahrhunderte alten Geschichte des Portweins, dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden.

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